Kataloge

Schaffensperiode von 1992-2004

Der neue Katalog stellt die Aquarelle, Öl- und Enkaustikbilder vor, die seit dem letzten Katalog entstanden sind. Für jedes Jahr gibt es eine repräsentative Auswahl aus den zunächst themenbezogenen Zyklen, dann freien Schöpfungen.

Der Künstler und sein Werk

In allen bisherigen Katalogen gibt es Bemühungen, den besonderen Kunststil Erich Grüns zu charakterisieren:

Die großen mythologischen Zyklen, denen noch "Elia" und die "keltische Mythologie" folgen, bilden den Schwerpunkt des Lebenswerks Erich Grüns. Der hier entwickelte Kunststil prägt auch die meisten der anderen Bilder, deren Farben und Formen einen Eindruck des Hintergründigen, des Bodenlosen vermitteln, in das uns die Mythen versinken zu lassen scheinen, weil sie in die steinzeitlichen Kulturen Vorderasiens zurückreichen. Wenn Erich Grün so oft Gesichter ineinandermalt, spiegelt sich darin etwas Wesentliches der Mythologie, nämlich Abfolge und Zusammenschau identischer Grundstrukturen in immer neuen Ausformungen. Aus älteren Gottheiten entwickeln sich neue Gottheiten, mit neuem Namen und verändertem Kult, aber die Vorgänger schimmern durch. So verhält es sich auch mit den Glaubensvorstellungen, zu denen selten Neues hinzukommt. Die Grundstruktur des Paradieses, z.B., ist bereits auf einem sumerischen, 4000 Jahre alten Rollsiegel abgebildet: ein Mann, eine Frau, dazwischen ein Baum, hinter der Frau eine Schlange. Der mythische Kunststil bewährt sich auch gegenüber den biblischen Themen: die Figuren haben einen über sich selbst hinausweisenden Charakter und bewahren etwas Geheimnisvolles, nach dem Motto: du sollst dir kein (genaues) Bildnis machen! Während die Bilderflut mythologischer Themen nach Hesiod, Homer und Ovid sowie religiöser Themen nach der Bibel immer ganz konkrete Mensch- und Tiergestalten zeigt, erscheinen die Figuren Grüns mehr oder weniger aufgelöst, verwoben mit der Umwelt. Sie werden zu "Erscheinungen", oft erst nach längerem Hinschauen erkennbar. So wird z.B. nicht der Gott, sondern das Geheimnis des Göttlichen, also das Numinose. dargestellt. In den späteren, nicht mehr thematischen Bildern haben sich auch die letzten Umrisse gänzlich in Farben aufgelöst.

Die "heidnische" Götterwelt wurde "herabgedrückt", so der Fachausdruck. und treibt seither in der Welt des Aberglaubens ihr dämonisches Wesen. Aber sterben können Götter nicht. Die ganze olympische Götterwelt feiert bei Goethe, Schiller und Hölderlin ein pralles Leben. Aus Erich Grüns Farbenwelt lugen oft schmenenhaft-geheimnisvolle Gestalten und Augen. Sie melden sich aus einer mythischen Welt hinter unserer Wirklichkeit. Dieser mythisch-numinose Kunststil regt die Phantasie an und erweckt Ahnungen. Durch den Maler als Medium hindurch bahnt sich auf phantastische Weise uralte Naturmagie den Weg in unsere Welt. Wir lernen, die Umwelt mit dem poetischen und mythenschaffenden Blick unserer Vorfahren zu erleben. "So ruht der Stil auf den tiefsten Grundfesten der Erkenntnis, auf dem Wesen der Dinge." Goethe

"Ich male, also bin ich"

So verändert trifft der berühmte Satz von Descartes auf Erich Grün zu. Er existiert malend. Bewundernswert sind die Kraft und die Energie, womit er seine Künstlerexistenz durchgesetzt hat. Im Alter von sieben Jahren gelangte er aus Sibirien über Dorpat nach Berlin, wo er sich nach einem umständebedingten vorzeitigen Schulabschluß selbständig durchsetzen und das Kunststudium verdienen mußte. Zwei Semester waren ihm aber nur vergönnt, dann mußte er, mit 19 Jahren, in den Wehrdienst, 1934, aus dem dann Kriegsdienst wurde. Als Angehöriger einer Fallschirmjägereinheit kam er in Gefangenschaft auf Malta. Hier tat er sich als Wand- und Porträtmaler hervor und erwarb sich dadurch Mittel zur Flucht. 1948 konnte er in Hannover das Kunststudium wieder aufnehmen, qualifiziert durch seine Arbeiten. Die Werkkunstschule betraute ihn später mit einer Lehrtätigkeit. Durch Ausstellungen bekannt geworden, konnte er eine Stelle als Kunsterzieher an der Bismarckschule antreten, die ihm 24 Jahre glückliches pädagogisches und künstlerisches Wirken vergönnte. Ehemalige Schüler besuchen ihn heute noch.

In die Schicksale und Fügungen seines Lebens soll hier nicht weiter eingedrungen werden. Einen Interpretationszusammenhang zwischen Vita und Werk mag spätere Forschung erproben.

In das Winterpalais der Wedekindstraße lockten die jährlichen Ausstellungen stets eine große Schar von Bewunderern und Liebhabern seiner Werke, aber in der Sommerresidenz erfüllte sich das kreative Glück.

Feuerschützenbostel - "Oase des Glücks"

Diese Residenz ist ein rustikal und genial ausgebauter ehemaliger Stall, der zu einem bäuerlichen Anwesen in der Heide gehört. Die solide und großzügige Ausstattung sowie auch der wunderschöne verwunschene Garten ermöglichen viel geselliges Leben. Die Atmosphäre, die Kunst und nicht zuletzt die teilweise hochqualifizierte Hausmusik, ins Werk gesetzt von der obwaltenden Muse Oda, erfreuen viele Gäste, die dann obendrein noch frugal verwöhnt werden, an einem Holztisch, der seinesgleichen sucht.

In einem ehemaligen Gewächshäuschen lauscht der Maler, so lange er Licht hat, dem Gespräch seiner Farben. Holzkreationen ganz eigenen Stils dienen als Schutzgötter und Wegweiser in die Idylle.

Hans Westerhaus

Zufälliges Bild

(ohne Titel)
Nr. 1856
undatiert
Enkaustik
61,5 x 47 (Rahmen: 82 x 74,5)


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